Kolumbien. Pablo Escobar, FARC, Bürgerkrieg, korrupte Polizisten. Erpressungen, Drogenhandel, Entführungen, Mord und Totschlag. Der Ruf eilt dem Land voraus. Doch Kolumbien hat sich geändert. Und Kolumbien ist viel mehr als die negativen Schlagzeilen der vergangenen Jahrzehnte.
Kolumbien ist eines der meist genannten Highlights von Südamerikareisenden und unsere Vorfreude ist riesig, als wir Ende August die Grenze überqueren. Unser Plan: links hoch, rechts runter.
Nach einem kurzen Halt nach der Grenze, wo wir das ‚Sanctuario de las lajas‘ aus der Ferne bestaunen, nehmen wir den Weg an den Lago Calima in Angriff. Der See in der Nähe von Cali ist mit ganzjährigem Wind gesegnet, was Kiter und Windsurfer gleichermassen anlockt. Der Wind ist eher böig und der Einstieg etwas kompliziert, weshalb nur Manuel sich in das Wasser wagt. Und feststellt: Süsswasser schmeckt sooo viel besser als Salzwasser!!!

Sanctuario Las Lajas

Lago Calima
Nach dem kurzen Kite-Intermezzo fahren wir entlang von endlosen Zuckerrohr-Plantagen in Richtung Salento einem ziemlich touristischen Dorf, eingebettet in eine wunderschöne, hügelige Landschaft. Wir geniessen den schönen Stellplatz und unternehmen eine Wanderung ins Cocoratal, bekannt für die zahlreichen Wachspalmen, der Nationalbaum Kolumbiens. Die Tageswanderung ist zwar schön, deutlich mehr beeindruckt uns jedoch die Führung durch das private Reservat Kasaguadua am nächsten Tag. Mit viel Leidenschaft wird hier eine ehemalige Kaffeefarm renaturiert. Das Ergebnis ist ein sich auf natürliche Weise wieder ausbreitender Nebelwald, der sich Stück für Stück das Land zurückholt.

Sonnenuntergangsstimmung in Salento
Wir stellen fest: Kolumbien ist gross. Die Zuckerrohrfelder weichen Kaffeeplantagen, und die Landschaft wird zunehmend hügeliger und grüner. Und unser „links-hoch-rechts-runter-Plan“ beginnt langsam zu bröckeln. Ein kurzer Abstecher nur, der schönen Route zu liebe – und um Pablo Escobars ehemaliges Anwesen, die Hacienda Napoles, zu sehen. Dieses 3000 Hektaren grosse Anwesen wurde inzwischen in eine Mischung aus Zoo und Vergnügungspark für Kinder umfunktioniert. Die Tiere sind teilweise noch aus dem Privatzoo, den der Patron damals errichtet hatte.

Eingang zur Hacienda Napoles
Nach dem kurzen Abstecher ins Magdalena-Tal verbringen wir einige Tage in der Nähe von Medellin. Von Medellin wird uns vor allem die Tour durch die Comuna 13 in Erinnerung bleiben. Dieses Viertel war vor einigen Jahren eines der gefährlichsten Viertel überhaupt auf der Welt. Heute zieren zahlreiche Graffitis die Betonwände, welche Geschichten aus der noch nicht lange vergangenen Tagen erzählen. Auch wenn das Schlimmste für die Bewohner dieses armen Viertels wohl vorbei ist, komplett ruhig scheint es noch nicht zu sein. So wurden wir bei unserem Besuch Zeugen einer Schiesserei einige hundert Meter entfernt.

Graffitis in der Comuna 13
Da die Regenzeit vor der Tür steht beschliessen wir, unseren ursprünglichen Plan über den Haufen zu werfen. Anstatt von Medellin mehr oder weniger direkt in Richtung Cartagena zu fahren, schlagen wir den Weg in Richtung Berge ein. Nur wenige Autostunden von Medellin entfernt machen wir halt am Guatape-Stausee. Mit seinen verwinkelten Armen ist er ein dankbares Fotosujet.

Guatape

On the Road…
Die Fortsetzung dieser Strasse, zurück ins Magdalenatal, ist eine der schönsten Strecken, welche wir gefahren sind. Vorbei an Hügeln, Seen und Flüssen schlängelt sich die Strasse durch wunderschöne Täler. Von frisch geteerten, perfekten Strassen über unebene Dirtroads bis hin zu einem stündigen Umweg wegen einer eingestürzten Brücke, alles ist dabei. Vom Magdalena-Tal fahren wir weiter in die Berge, wo wir für einige Tage auf der Finca San Luis halt machen. Die Kakao-Farm liegt eingebettet in einer atemberaubenden Landschaft, fernab von jeglicher Zivilisation. Bei brütender Hitze erhalten wir eine Führung von Alejandro, dem Eigentümer.

Finca San Luis
Nach einigen erholsamen Tagen fahren wir weiter nach Villa de Leyva, einem Bergdorf, bekannt für die vielen Kolonialbauten. Die ganze Gegend hier erinnert uns ansonsten eher an Italien: Olivenbäume, Rebberge und Eukalyptus. Hier treffen wir zu unserer Überraschung David und Em aus Australien wieder. Wir hatten die beiden vor genau einem Jahr in Cusco kennengelernt und danach aus den Augen verloren. Kleine Welt.
Auf einen Tip von anderen Reisenden gelangen wir in zwei Tagen von Villa de Leyva auf diversen Umwegen nach Barichara. Ganz nach dem Motto: Ja nicht die Hauptstrasse nehmen. Oder: Meh Dreck… Barichara ist das kleine Villa de Leyva, einfach in einer viel grüneren Umgebung. Dass wir aber schlussendlich fast eine ganze Woche dableiben ist nicht unbedingt dem Ort selber geschuldet, sondern viel mehr dem Campingplatz von Joep und Julia, einem holländischen Paar. Die beiden haben hier eine echte Wohlfühloase kreiert…

Barichara
Vor lauter wohlfühlen läuft uns jedoch langsam die Zeit davon. Von Barichara fahren wir auf dem schnellsten Weg in Richtung Karibikküste. Dort verbringen wir einige Tage um und im Tayrona Nationalpark. Die Strände hier sind zwar schön, die kaum fassbaren Mengen an angeschwemmten Abfall und die völlig abgehobenen Preise für den Nationalpark sind jedoch ein wenig Stimmungskiller…
In Cartagena beschliessen wir, ausnahmsweise mal wieder in einem Hostel (mit Klimaanlage) zu übernachten. Die heissen Temperaturen und kaum ein Wind lassen das Thermometer im Schnurrli schnell mal gegen die 40 Grad hochschrauben. Im Gegensatz zu Medellin hat Cartagena eine wunderschöne Altstadt voll mit farbigen Gebäuden im Kolonialstil.

Cartagena
Von Cartagena fahren wir direkt ins gelobte Land der Kitesurfer, nach Cabo de la Vela. Da uns nur noch knapp 5 Wochen verbleiben, bevor wir wieder in Ecuador sein müssen, haben wir beschlossen, die Karibikküste von Kolumbien grösstenteils von unserem Programm zu streichen, um mehr Zeit zum Kitesurfen in Cabo zu haben. Cabo de la Vela liegt ganz im Norden von Kolumbien. Was man hier vorfindet: Trockenheit, Wüste, einfache Holzhütten, bettelnde Kinder, kein Strom, kein fliessend Wasser dafür gaaaaanz viel Wind. Wir decken uns also für die nächsten drei Wochen mit Lebensmittel und Wasser ein und machen uns auf den Weg.
Und es hat sich absolut gelohnt… Die folgenden drei Wochen heisst unser Programm nämlich: Kite, eat, sleep, repeat. Der Tagesablauf dreht sich eigentlich nur ums kiten. Während der Wind in Santa Marianita oft zu wenig war für unsere Kites, ist er in Cabo so stark, dass Patricia oft sogar einen kleineren Kite mieten muss.

Cabo de la vela
Nach 3 Wochen müssen wir uns wohl oder übel von Cabo lösen, nicht nur weil unsere Essenvorräte sich langsam dem Ende zu neigen, sondern weil wir uns in rund zwei Wochen mit der Käuferin des Vans in Ecuador, also etwa 3’000 Kilometer entfernt, verabredet. Auf mehr oder weniger direktem Weg (Boxenstopp bei Joep und Julia in Barichara) fahren wir nach Ibarra.
Und so sitzen wir hier, auf der Finca Sommerwind, während die Sonne zum letzten mal auf unserer Reise untergeht. Wehmütig blicken wir zurück, die schönen Erlebnisse und Schnurrli fehlen uns schon jetzt. Aber auch ein bisschen Vorfreude auf die Schweiz ist dabei, Vorfreude auf das Wiedersehen von Familie und Freunden, Fondue, Raclette, Schokolade und Wurstsalat… Wir sind glücklich, erfüllt von haufenweise schönen Eindrücken, Begegnungen und Erlebnissen, die uns für immer prägen werden. Fest entschlossen, ein bisschen südamerikanische Lockerheit in den Schweizer Alltag mitzunehmen. Vor allem aber dankbar über das schier unfassbare Privileg, einfach mal so für fast zwei Jahre verreisen zu können.

Byebye Schnurrli…
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Alles Schöne hat ein Ende! Das Bankkonto ruft vermutlich nacheiner Aufstockung – darum nichts wie los an die Arbeit! Ich wünsche Euch eine gute Heimreise.
Buuuäääää das öpper die Gurke kauft het 😉 ta ta Roman